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Masuku, Sambia - Berlin, Deutschland

Die Leibniz-Schule unterstützte 2007 eine Schule in Masuku, Sambia. Im Winterhalbjahr gab es teilweise passende Themen im Unterricht und im November wurde ein großer Benefizabend veranstaltet. Die Spenden – für die ich mich im Namen der Masuku High School hier noch mal recht herzlich bedanke – kamen direkt und vollständig der sambischen Schule zu Gute. Das gesammelte Geld wurde für Betten und Matratzen sowie für Bücher ausgegeben.

Masuku High School ist ein Internat für die Altersstufe von 14 bis 18 Jahren. Etwa 400 SchülerInnen leben und lernen in dem Dorf, eineinhalb Stunden vom nächsten Internetcafe oder Supermarkt entfernt – wenn man Bus fährt. In den drei Monaten bis zu den nächsten Ferien leben die meisten Schüler ausschließlich hier. Genau wie deutsche Schüler haben sie nicht immer Lust auf Unterricht und freuen sich auf die Ferien, auch wenn der Schulbesuch hier viel stärker als Chance und Privileg wahrgenommen wird.

Weiterführende Schulen sind in Sambia kostenpflichtig und nur etwa jeder fünfte eines Jahrgangs kann sie besuchen. Für viele Eltern sind die Schulgebühren eine erhebliche finanzielle Belastung, obwohl die Gebühren nicht so hoch sind, dass Bücher, ein eigenes Bett für die Schüler oder Ausstattung für Fachunterricht finanzieren könnten. Gerade für Masuku als eine der schlechter ausgestatteten Schulen ist Unterstützung von außen sehr hilfreich. Hier kann mit relativ geringem Aufwand viel erreicht werden. Die Schüler und auch die Lehrer wurden nach meiner Beobachtung stark motiviert, und die Anschaffungen erleichtern den Schulalltag natürlich erheblich.

Ich selbst war mit einer Teampartnerin als Lehrer im Rahmen eines ASA-Projektes in Masuku vor Ort. Nebenbei halfen wir, die Bedürfnisse im Internat zu beurteilen und die Spenden aus Berlin möglichst schnell und gezielt einzusetzen. Dabei trafen wir sowohl in Berlin als auch in Masuku auf viele engagierte HelferInnen.


Selber nach Afrika fahren?

Das ASA- Programm bietet Studierenden im Hauptstudium dreimonatige Auslandsaufenthalte in Afrika, Asien oder Lateinamerika. Es gibt jährlich etwa 150 Projekte von enormer inhaltlicher Vielfalt zu vergeben an denen jeweils zwei bis drei Bewerber teilnehmen. Als Sprachkenntnisse werden Englisch bzw. Französisch verlangt. In einigen Fällen sind auch andere Sprachen hilfreich.

Einige dieser Projekte werden an Team aus verschiedenen EU-Ländern vergeben. Sie sind in einem eigenen Programm namens GLEN zusammengefasst. So war meine Partnerin aus Prag. Wir arbeiteten als Lehrer für Physik, Bio und Mathe und unterstützten uns gegenseitig im ungewohnten Alltag.

Durch eine Partnerorganisation vor Ort und drei einwöchige Seminare zur Vor- und Nachbereitung fühlte ich mich sehr gut vorbereitet. ASA-Stipendiaten bekommen außerdem Zuschüsse zu Flug- und Lebenshaltungskosten vor Ort, die in meinem Fall voll ausreichten, um die tatsächlichen Kosten zu decken.

Die Bewerbungsfrist für Interessierte endet Anfang Januar, der Aufenthalt im Süden liegt immer in den Sommermonaten irgendwo zwischen Juli und November. Mehr Infos gibt es auf www.asa-programm.de.


Und wie ist es eigentlich genau, dort zu leben?

Es ist nicht leicht, drei Monate in einer so ungewohnten Umgebung zusammenzufassen. Besonders die leisen und normalen Momente kommen im Bericht meist zu kurz, das sensationelle erzählt sich besser. Meine Erlebnisse erlauben jedoch nur unvollständigen Einblick und werden nicht ausführlich genug sein, um Klischees zu vermeiden.

In Masuku sind die Leute furchtbar freundlich. Ich bin sicher, dass ich noch jetzt ein willkommener Gast wäre, und man mir schnell den großen Tisch aus dem Lehrerzimmer ins kleine Gästehaus tragen würde. Ein paar Schüler, sicher aus der Elften, würden mir frisch aufgeladene Autobatterien vom Solarstromkreis der Schule herrüberschleppen, damit ich nicht nach dem wunderschönen Sonnenuntergang, also ab sieben im dunkel sitze.

Am Montag morgen zur Vollversammlung würde ich nach der Nationalhymne und der Predigt als lieber Gast den Schülern vorgestellt, die zu jung sind, um mich zu kennen. Die anderen würden sich freuen, wenn ich in den nachmittäglichen Lernphasen vorbeikäme und aus meiner Heimat erzählte oder Ihnen bei ein paar kniffligen Matheaufgaben helfen würde. Ich wäre froh dass ich nicht um halb sechs beim Frühstück im quirlig vollen Speisesaal darauf achten muss, das die Schüler nach ihrer Ration Maisbrei die Tische mit Zweigen säubern und Ihre Blechteller am Wasserhahn nicht unter fließendem Wasser abwaschen, weil sonst der Tank so schnell leer wird und dann am Nachmittag wieder alle an die Handpumpe ausweichen müssten. Am Nachmittag würde irgendwo ein Chor für nächsten Sonntag proben und auf dem heißen Sand des Sportplatzes würden die Fussballteams durch die Sonne jagen.

Ich würde wieder staunen, wie lebhaft und fröhlich die Schüler so früh schon sind und wie sehr mich Einzelne an meine eigenen Klassenkameraden erinnern. Ich denke oft, die Menschen dort sind gar nicht anders als wir hier. Der Unterschied kommt doch fast immer aus den anderen Lebensumständen, etwa der Infrastruktur. Auch dachte ich während meines Aufenthaltes oft an Erzählungen meiner Großeltern aus der Nachkriegszeit.

Die wenigen tieferen Unterschiede die mir auffielen wurden in Situationen deutlich, die Geduld erforderten, wie etwa einer Reifenpanne auf der Sandpiste noch fern der Stadt, oder auch im Umgang mit Familienmitgliedern oder Vorgesetzten und in der Religion. Solche unterschiede waren für mich manchmal eine Herausforderung, so dass ich etwas ändern wollte. In solchen Situationen wurden meine abweichenden Ansichten verständnisvoll hingenommen. Niemand versuchte, mich zu verändern, ein Impuls, den es ja umgekehrt sehr wohl gibt. Ich selbst habe mich allerdings sehr wohl verändert durch meinen Aufenthalt. Und bin glücklich, dass ich da war.

Christian Nitschke

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